Landleben
Viele von Olof Jernbergs Landschaften sind belebt von Personen und Tieren und bieten somit einen Einblick in das ländliche Leben seiner Zeit. Die Bedeutung, die den Figuren zukommt, variiert dabei stark zwischen den einzelnen Gemälden. In einigen Szenen dienen Personen als reine Staffage, während sie in anderen eine zentralere Rolle einnehmen.
Das im 19. Jahrhundert beliebte Motiv der Feldarbeit bildet innerhalb von Jernbergs Œuvre einen eigenen Themenkomplex. War in der ersten Zeit die ländliche Arbeit von den Künstlern noch idealisiert wiedergegeben worden, verlagerte sich der Blick im letzten Jahrhundertdrittel auf die tatsächliche Arbeitsweise, wie die naturalistischen Darstellungen Jernbergs oder Eugen Kampfs zeigen. Zudem bot der Motivkreis die Möglichkeit, sich mit den Besonderheiten und den veränderten Lichtstimmungen der Jahreszeiten auseinanderzusetzen – ein nicht nur für Jernbergs Schaffen wichtiger Aspekt.

"Zur Erntezeit"
Olof August Anders Jernberg
Zwar ist die Darstellung „Zur Erntezeit“ unten rechts im Bildfeld signiert mit „O. Jernberg“, dabei handelt es sich jedoch um die Wiedergabe der Signatur auf der Gemäldevorlage. Vorbild war Jernbergs Werk mit gleichnamigem Titel von 1892, das im darauffolgenden Jahr von der Berliner Nationalgalerie erworben wurde. 1920 ging es als Dauerleihgabe an den Oberpräsidenten der Provinz Hannover, wo es 1943 vermutlich verbrannte (http://www.lostart.de/DE/Verlust/257122).
Der Urheber der Radierung ist der deutsch-jüdische Künstler Hermann Struck (1876–1944), der in Berlin lebte und vor allem für seine Radier- und Lithografie-Kunst geschätzt wurde. Die Radierung nach dem Gemälde Jernbergs entstand 1901 für die „Zeitschrift für Bildende Kunst“.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Feld mit Strohhaufen am Niederrhein"
Olof August Anders Jernberg
Gänzlich ohne Figurenstaffage kommt Olof Jernbergs „Feld mit Strohhaufen am Niederrhein“ aus. Der Vordergrund wird bestimmt von einem von der Sonne beschienenem Feld, auf dem die Garben zu Hocken zusammengelegt wurden. Am Horizont sind eine Windmühle und eine Kirche auszumachen, darüber der blaugraue Himmel.
Ein rückseitiger Aufkleber der Kunsthandlung Bernhard Teicher in Königsberg lässt vermuten, dass das Bild nach Jernbergs Umzug nach Königsberg 1901 entstanden sein könnte.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Auf dem Kornfeld"
Olof August Anders Jernberg
Olof Jernberg zeigt fünf Personen an einem sommerlichen Tag auf einem weiten Feld bei der Kornernte. Das Motiv der Ähren tragenden Frau, die hier mit Hut und in blauem Rock in der rechten unteren Ecke dargestellt ist, hat Jernberg immer wieder in teilweise abgewandelter Form in seinen Darstellungen der Feldarbeit genutzt. So ist ihr Blick mal nach links und mal nach rechts gerichtet und ihre Kleidung wurde variiert.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Kartoffelfeuer am Abend der Ernte"
Olof August Anders Jernberg
Erntemotive finden sich häufig in Jernbergs Werk, vermutlich hat er die Szene des Kartoffelfeuers direkt vor Ort skizziert. Kartoffelfeuer fanden im Herbst statt, um das auf dem Feld liegengebliebene Kraut der Kartoffeln zu verbrennen. Jede der drei Figuren im Vorder- und Mittelgrund wurde von Olof Jernberg durch eine separate Ölstudie vorbereitet. Diese befinden sich heute im Düsseldorfer Kunstpalast und geben einen wichtigen Einblick in den Arbeitsprozess des Künstlers.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Heuernte am Niederrhein"
Olof August Anders Jernberg
Jernberg fing die ländliche Szene in einer freien Pinselführung und unter Vernachlässigung von Details ein. Er malte in einer Technik, die der Kunstkritiker Karl Scheffler 1906 in seiner Publikation „Max Liebermann“ mit folgenden Worten beschrieb: „Wo alles Gegenständliche in der Stimmung verschwinden soll, wo Licht, Luft und Bewegung wiedergegeben werden sollen, können Malern nur Darstellungsmittel dienen, die nicht detailliert verweilen, sondern dem Auge den Eindruck des Ganzen geben und nichts anderes.“
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Sommerabend bei Kaiserswerth"
Wilhelm Fritzel
Im Vordergrund des Gemäldes befindet sich ein abgeerntetes Feld, auf dem das Korn bereits zu Haufen zusammengelegt wurde. Im Hintergrund, vor der untergehenden Abendsonne, sehen wir die dunkle Silhouette einer Stadt. Hierbei handelt es sich um Kaiserswerth, den Wohnort von Wilhelm Fritzel, in dessen Umgebung der Künstler immer wieder die Motive für seine Gemälde fand.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Flusslandschaft mit Wäscherinnen"
Eugen Kampf
Eugen Kampfs Gemälde „Flusslandschaft mit Wäscherinnen“ entstand wahrscheinlich vor 1900 und damit in der frühen Schaffensphase des Künstlers. Hierfür sprechen sowohl der Farbauftrag wie auch die graue, gedämpfte Tonalität des Werks.
Das Gemälde hat im Laufe der Zeit einen neuen Keilrahmen bekommen, im Zuge dieser Maßnahme wurden etwa 10 cm der Leinwand am oberen Rand einfach umgeschlagen. Der ursprüngliche Eindruck des Hochformats war folglich viel schmaler.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Bäuerin mit Kühen"
Olof August Anders Jernberg
Die besondere Lichtstimmung der auf- bzw. untergehenden Sonne nutzte Jernberg immer wieder als Motiv seiner Gemälde, so auch in seiner „Bäuerin mit Kühen“. Dabei werden die Figuren der Bäuerin und der beiden Tiere am rechten Bildrand zum Teil von der Vegetation im Vordergrund verdeckt, die Landschaft wird zum Hauptmotiv des Gemäldes erhoben.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Abend an der Dorfstraße mit Bäuerin"
Olof August Anders Jernberg
Bei dem im Jahr 1900 entstandenen Bild ist die Figur, wie so häufig in Jernbergs Werken, wieder zu einer die Landschaft belebenden Staffage geschrumpft und verschmilzt durch die einheitlich flüchtige Malweise vollständig mit ihr. Da Jernberg die grobe Leinwand nicht farbig grundiert hat, ist sie in brauner Farbe an manchen Stellen deutlich sichtbar.
Das Bild stammt aus dem Nachlass des Berliner Genre- und Bildnismalers Rudolf Possin (1861-1922), der wie Jernberg eine Vorliebe für Holland hatte.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Landschaft mit Windmühle und Vieh"
Olof August Anders Jernberg
Tiere fesselten immer wieder Olof Jernbergs Aufmerksamkeit. In seinem künstlerischen Nachlass, der sich heute im Düsseldorfer Kunstpalast befindet, haben sich verschiedene Zeichnungen von Schafen und Rindern erhalten. In seinem Gemälde „Landschaft mit Windmühle und Vieh“ hat er die Rinder in Verbindung mit einer Windmühle gemalt und somit ein typisches rheinisches Motiv geschaffen.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Dorfansicht"
Olof August Anders Jernberg
Mit schnellen Pinselstrichen erfasst Jernberg eine Straße und einige Häuser mit roten Dächern am Horizont. Der studienhafte Charakter, der diese Arbeit auszeichnet, entwickelt sich sowohl aus den einzelnen Stellen, an denen der Malgrund sichtbar bleibt, wie auch aus den Partien, in denen Jernberg die einzelnen Farben nicht nebeneinander, sondern unmittelbar übereinander setzte und auf der Leinwand verwischte. Die Häuser und Bäume sind jedoch so summarisch dargestellt, dass es scheinbar weniger um die Objekte, als vielmehr um die besondere Lichtstimmung in diesem Werk geht. Der Himmel ist bestimmt von einem hellen Orange, das auch immer wieder in den anderen Partien aufgegriffen wurde, sodass fast eine farbliche Monotonie entsteht.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Schäfer mit seiner Herde vor herbstlichem Wald"
Olof August Anders Jernberg
Auf einer von Bäumen und Hecken geschützten Weide grast eine Schafherde, bewacht von ihrem Schäfer und seinem Hund. Das warme Sonnenlicht lässt das herbstliche Rot der Hecken und das Grün und Gelb des Grases aufleuchten. Es ist eine vollkommen friedliche Szene, die durch nichts gestört wird. Aufgrund der detaillierteren Ausführung und der Größe des Bildes ist davon auszugehen, dass es im Atelier nach Freilichtstudien entstanden ist.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Waldlandschaft"
Olof August Anders Jernberg
Olof Jernbergs „Waldlandschaft“ zeigt vermutlich dieselbe Lichtung, die er auch als Hintergrund für seinen „Schäfer mit seiner Herde vor herbstlichem Wald“ nutzte.
Mit raschen Pinselstrichen skizzierte Jernberg die im Vordergrund liegende Wiese, genauso wie die herbstlich verfärbten Büsche und die dunklen Bäume, die die gesamte Höhe des Bildträgers einnehmen.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Weite Heidelandschaft"
August Schlüter
Der Blick fällt, wie der Titel bereits verrät, auf eine zu beiden Bildseiten offene Heidelandschaft. Das Gemälde teilt sich in zwei Bereiche: den mit verschiedenen Pflanzen bewachsenen Boden und darüber der ausladende Himmel. Dieser zeigt voluminöse Wolkenformationen, zwischen denen immer wieder das Blau des Himmels sichtbar wird. Mit der unbelebten Flachlandschaft steht Schlüter den Motiven seines Lehrers Eugène Dücker nahe, der für seine unaufgeregten Bildausschnitte bekannt war.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Schafhirte mit seiner Herde in den Dünen"
Eugène Dücker
Das relativ großformatige Dünenbild mit dem Schäfer und seiner Herde entstand 1910. Ein Aufkleber auf der Rückseite belegt, dass der Künstler für das Bild 1.400,- Mark von der Germania Brauerei in Dortmund erhalten hat.
Die senkrecht verlaufenden Risse in der Malschicht lassen vermuten, dass die Leinwand einst vom Keilrahmen abgespannt und aufgerollt worden war.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Sommerlandschaft mit Hirte und Schafherde"
Arthur Wansleben
Mit der Darstellung der Schafherde nahm Wansleben ein Thema auf, das in der Dücker-Schule häufig wiederholt wurde. Offensichtlich ging es dem Künstler nicht um die detailgetreue Darstellung des Hirten, des Hundes oder der Schafe. Die harmonische Verbundenheit von Mensch, Tier und Natur ist das Thema dieses Bildes.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Bauernhof mit Kindern"
Olof August Anders Jernberg
Immer wieder finden sich im Œuvre Olof Jernbergs Motive aus dem bäuerlichen Millieu, hierzu wurde er wahrscheinlich während seiner Reisen von der französischen paysage intime, der Darstellung der heimischen, unprätentiösen Landschaft, angeregt. Diese übertrug Jernberg auch in den Kontext seiner rheinischen Umgebung.
Das Hauptmotiv ist hier der Bauernhof, mithilfe der Pinselführung gestaltete Jernbeg verschiedene Oberflächenbeschaffenheiten wie Holz, Fachwerk oder die Dachschindeln.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Im Gärtchen"
Philipp Franck
In seinem frühen Schaffen zählten Gartenmotive zu Philipp Francks beliebten Sujets, jedoch waren es eigentlich die pompösen Barockgärten, die sein Interesse weckten. Hier stellt er hingegen eine intime Situation in einem bäuerlichen Garten dar. Das kleinformatige Gemälde entstand während seiner Lehrzeit bei Eugène Dücker an der Düsseldorfer Kunstakademie und stellt eine leicht veränderte Version des Gemäldes „Im Gärtchen“ dar, das er 1884 auf der Großen Akademischen Kunstausstellung in Berlin präsentierte.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung
Olof August Anders Jernberg
1855 Düsseldorf - 1935 Berlin
Wilhelm Fritzel
1870 Hamburg - 1943 Ohrensen/Stade
Eugen Kampf
1861 Aachen - 1933 Düsseldorf
August Schlüter
1858 Münster - 1928 Düsseldorf
Eugène Dücker
1841 Kuressaare (Arensburg/Insel Ösel) - 1916 Düsseldorf
Arthur Wansleben
1861 Krefeld - 1917 Düsseldorf
Philipp Franck
1860 Frankfurt am Main - 1944 Berlin