Beginenhöfe
Die Beginenhöfe, in denen Frauen nach religiösen Regeln, jedoch ohne ein Klostergelübde abgelegt zu haben, zusammenleben, stellten für viele Künstler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein interessantes Motiv dar. Die Höfe glichen oft einer in sich abgeschlossenen kleinen Stadt in der Stadt und hatten den Ruf einer besonderen Weltabgeschiedenheit: Sie bilden einen Kontrast
zum urbanen Alltag, der als hektisch und reizüberflutet wahrgenommen wurde.
Als besonders pittoresk galt der Beginenhof Ten Wijngaerde in Brügge, der verschiedene Künstler zu Werken inspirierte, darunter Olof Jernberg. Auch Jernbergs Künstlerkollege Helmuth Liesegang setzte das Motiv des Beginenhofs mehrfach malerisch um. Wie für Jernberg war für Liesegang zum einen der eigentümliche Ort, zum anderen die atmosphärische Wirkung von besonderem
Interesse. So zeigt Liesegang den Hof in verschiedenen Jahreszeiten und erzielte somit eine differenzierte Bildwirkung.

"Kirchenansicht im Sonnenschein"
Heinrich Hermanns
Die sommerliche Szene zeigt eine von Bäumen verschattete Grünanlage vor einer Kirche, die sich mit ihrem Nebengebäude wie ein Riegel über den gesamten Hintergrund erstreckt. Ein Mann geht mit einem kleinen Mädchen auf das gotische Kirchenportal zu. Rechts sind eine Frau mit Kinderwagen und zwei spielende Kleinkinder auszumachen. Licht- und Schattenzonen setzen Akzente in diesem Ruhe und Intimität ausstrahlenden Bild. Auf der Rückseite befindet sich ein alter Klebezettel mit dem handschriftlichen Vermerk „Kerk“. Hermanns hatte somit bei dem Motiv eine niederländische Kirche vor Augen, die allerdings nicht genau zu bestimmen ist.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Frauen am Brunnen"
Olof August Anders Jernberg
In dem Gemälde „Frauen am Brunnen“ spiegelt sich der Einfluss der französischen Malerei auf Olof Jernberg wider. Jernberg zeigt uns den Blick in ein Waldstück, in dem drei Frauen Wasser an einer Quelle schöpfen. Der enggefasste Bildraum in Kombination mit den an den Bildrändern hoch aufragenden Bäumen erinnert an Maler der Schule von Barbizon wie z. B. Théodor Rousseau.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Frau auf einem Baumstamm sitzend"
Olof August Anders Jernberg
Auch dieses Werk könnte im Kontext von Olof Jernbergs Frankreichreise 1880–81 entstanden sein. Die titelgebende Figur sitzt in der Mitte des Bildes, ihre auffällige weiße Haube erinnert an die in der Bretagne getragenen Trachten. Der Vordergrund wird durch ein gelbes Kornfeld auf der linken Bildseite dominiert. Am Horizont wachsen die dunklen, für Jernberg typischen Pappelbäume.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Alte Gracht in Brügge mit Schwänen"
Olof August Anders Jernberg
Neben der Vielzahl an ländlichen Motiven schuf Olof Jernberg auch einige wenige Stadtansichten, darunter in seinen Wirkungsorten Düsseldorf, Königsberg und Berlin. Das malerische Brügge übte auf ihn einen besonderen Reiz aus – mit seiner Frau Jeanne Scheppers, die aus Ixelles (Region Brüssel) stammte, besuchte das Paar zwischen 1905 und 1914 mehrfach die Stadt mit ihren pittoresken Häusern und Grachten. Im Nachlass des Künstlers befindet sich eine Studie zu diesem Bild (Düsseldorf, Kunstpalast).
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Beginenhof in Brügge"
Olof August Anders Jernberg
Der malerische Beginenhof Ten Wijngaerde in Brügge war für viele Künstler, darunter auch Olof Jernberg, eine Inspirationsquelle. Jernberg schuf mehrere Zeichnungen der Anlage aus verschiedenen Blickwinkeln. Doch für die Gemäldefassung mit der Beginenkirche St. Elisabeth im Zentrum hat sich, soweit bisher bekannt, keine unmittelbare Vorarbeit erhalten.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Niederrheinisches Dorfidyll (Beginenhof?)"
Helmuth Liesegang
Auch das Motiv des „Niederrheinischen Dorfidylls“ könnte im Kontext der Beginenhöfe entstanden sein. Dafür sprechen die drei weiblichen Figuren sowie die Anlage der Gebäude in Kombination mit den Laubbäumen im Vordergrund. Außerdem steht die Farbigkeit derjenigen des „Sonnenbeschienenen Beginenhofs“ sehr nahe – möglicherweise sind die Werke zu einer ähnlichen Jahreszeit entstanden.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Herbstlicher Beginenhof"
Helmuth Liesegang
In dieser Variante des Motivs nahm Helmuth Liesegang einen etwas anderen Standpunkt ein als im „Sonnenbeschienenen Beginenhof“. Es ist nicht sicher zu sagen, ob Liesegang bei der Darstellung auf eine real existierende Anlage zurückgriff. Selbst die auffälligen grünen Türen und Fensterläden sind kein der Bestimmung dienliches Alleinstellungsmerkmal, sondern charakteristisch für die flandrische Architektur jener Zeit. Der freie, summarische Farbauftrag und die verwischten Konturen unterstreichen den spätimpressionistischen Charakter des Gemäldes.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Sonnenbeschienener Beginenhof"
Helmuth Liesegang
Das Motiv des Beginenhofs fesselte im 19. Jahrhundert die Aufmerksamkeit mehrerer Künstler, darunter auch Helmuth Liesegang. Er malte den von Mauern und Häusern gesäumten Innenhof mit den darin wachsenden Laubbäumen in mehreren Varianten, darunter eine sich in Privatbesitz befindende zweite Version der hiesigen sommerlichen Ansicht, die jedoch gänzlich ohne menschliche Staffage auskommt.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Porträt einer jungen Frau"
Olof August Anders Jernberg
Auch wenn um 1890 die Figurenmalerei bei Jernberg einen höheren Stellenwert einnimmt, sind Porträts in seinem Œuvre sehr selten und meist auf seinen familiären Umkreis beschränkt. Daher ist das kleine, auf Holz gemalte „Porträt einer jungen Frau“ in der Sammlung der Dr. Axe-Stiftung etwas Besonderes. Die junge Frau wirkt traurig, beinahe den Tränen nahe, und der Betrachter beginnt unwillkürlich nach Gründen für ihre niedergeschlagene Stimmung zu suchen. Deutet die schwarze Kleidung auf einen Trauerfall hin?
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Abendliche Dorflandschaft"
Olof August Anders Jernberg
Die reiche Abstufung der Tonwerte und das bewegte Spiel der Schraffuren, die die Natur formen und den Schein des Laternenlichtes strahlenförmig verbreiten, machen den besonderen Reiz des Blattes aus. Die Beschriftung „O. JERNBERG FECIT“ besagt, dass Jernberg die Druckvorlage für den Drucker L. Angerer in Berlin geschaffen hat. Ob er selbst auch die Druckplatte bearbeitet oder eine Zeichnung erstellt hat, die dann in Berlin auf die Platte übertragen wurde, lässt sich heute schwerlich sagen.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Abendliche Dorflandschaft"
Olof August Anders Jernberg
Diese Version der „Abendlichen Dorflandschaft“ unterscheidet sich nur bei genauem Hinsehen von dem anderen Blatt. Die Gebäude im Hintergrund zeigen lediglich die vertikalen Linien, und auch in der Mitte des Feldes und im Bereich unterhalb der Lampe zeigen sich hier weniger Schraffuren als in der anderen gezeigten Variante. Die Platte wurde offenbar nach dem Druck noch einmal bearbeitet. Dieses Blatt stellt demnach womöglich einen früheren Zustand dar.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung

"Im Pfarrgarten zu Niederdollendorf"
Eduard Euler
Die lichterfüllte, kleinformatige Studie entstand wahrscheinlich in Eduard Eulers letztem Lebensjahr. Er zeigt hier das Haus auf der Hauptstraße 89–91 in Niederdollendorf, Königswinter. Dieses wurde zwischen 1920 und 1981 von der Kirche St. Michael als Pfarrhaus genutzt.
Eigentümer:Dr. Axe-Stiftung
Heinrich Hermanns
1862 Düsseldorf - 1942 Düsseldorf
Olof August Anders Jernberg
1855 Düsseldorf - 1935 Berlin
Helmuth Liesegang
1858 Duisburg - 1945 Leipzig
Eduard Euler
1867 Düsseldorf - 1931 Oberdollendorf (heute Königswinter)